Vielbegabte Menschen fangen vieles an und machen nichts zu Ende!



Sie können sich nicht konzentrieren ...

Sie verzetteln sich ...

Sie wissen nicht, was sie wollen ...

Sie haben kein Durchhaltevermögen ...


Diese Liste ließe sich vermutlich noch eine Weile weiterführen. Vielbegabt zu sein hat seine Tücken, die weniger in dem Liegen, dass man vielbegabt ist, als dass man in unserer Gesellschaft eine Nische einnimmt, die einen nicht wahrnimmt; oder vielleicht doch wahrnimmt, aber Vielbegabung einfach nicht versteht? Ob die Wahrnehmung dieser Person fehlt oder das Verständnis über Vielbegabung, fakt ist, dass man nicht als Begabt sondern als verwirrt für die meisten Menschen unter uns rumläuft.

Doch was sind Vielbegabte? Einfach nur Menschen mit einer hohen kognitiven Fähigkeit? Also ganz einfach Hochbegabte? Solch eine Antwort wäre doch schön. Sie ist simpel und bedarf keiner weiteren Erklärung. Ab und an hat man solche Sätze bereits mal gehört:

"Oh, du kannst das und das und das auch noch? Aber na ja, ich wundere mich nicht, du bist ja ein Genie".

So oder so ähnlich könnte es sich anhören. Wobei Genie anscheinend immer in Relation zu einem Thema zu sehen ist. Besonders zu einem Thema, mit dem sich viele befassen, die ein Problem erkannt haben, es aber selbst nicht lösen. Plötzlich taucht so ein “Genie” auf und löst das Problem mit links und erklärt nebenbei noch die Welt. Genie ist dann das Wort, dass für fast jeden erklärt was man gemacht hat. Dann muss man nichts verstehen, den in dem Wort steckt ja bereits drin, dass man hier eine Ausnahme gegenübersteht. Leider wird das Genie = die geniale Person nicht in jedem Fall als Genial angesehen. Manchmal empfindet man sie nicht als Genial bzw. das Genie selbst empfindet sich nicht so, da es für sich „Normal“ ist. Ein Begabter, ein Hochbegabter oder ein Vielbegabter sind nicht perse Geniale. Sie sind erstmal nur begabter. Hier könnten wir vermutlich endlos mit den beiden Worten Genie und Begabt spielen. Fakt ist, dass die meisten Hochbegabten das Wort Genie meiden, denn es ist mit Erwartungen belegt. Mit Erwartungen die genauso für andere passieren müssen.

"Wer die Welt berechnen kann, der kann die Probleme erkennen".


Doch leider ist dies nur eine fiktive Darstellung eines Themas, dass nicht der Realität entspricht. Es mag den ein oder anderen Überflieger in einem Thema geben oder gar den gesellschaftlich bekannten “Nerd” der Tag ein und aus nichts anderes tut als Matheaufgaben lösen. Und wenn die Gesellschaft diese in ihren Augen “Genies” nicht als solche erkennt, gibt es noch die Menschen, die alles gleichzeitig machen. Menschen, denen gesagt wird, dass sie mal was zu Ende bringen sollen. Das sie doch ganz toll in ihrem Thema sein könnten, wenn sie sich konzentrieren würden und mal eine Aufgabe zu Ende bringen. Doch was heißt ein Thema zu Ende bringen? Wann kommt dieses sogenannte Ende?

Diese Art der Menschen hat unter anderem Barbara Sher versucht zu erklären. https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Sher

Ende der 1970er Jahre prägte sie den Begriff der Scanner-Persönlichkeit. Damit beschrieb sie Menschen, für die die Beschäftigung mit neuen Themen und das Erlernen neuer Inhalte von zentraler Bedeutung sind.[3]

Barbara Sher hatte den Begriff des Scanners erfunden und nach außen getragen. Ist jetzt aber die Vielbegabung genau das? Beschäftigen mit "neuen" Themen und das Erlernen von "neuen" Inhalten? Wenn ich vielbegabt bin, so könnte man auch einfach nur von vielen Interessen reden. Warum nicht Fußball spielen, dann zum Geigen-Konzert und dann am Ende des Tages noch ein neues Rezept ausprobieren?


Ich persönlich glaube, dass wir hier viel differenzierter herangehen müssen. Zu Beginn jedoch wollen wir mal drei Begriffe kreieren, die uns als Basis, als Kern dienen sollen, auf den wir andere Aspekte draufsetzen bzw. andocken können. Und die Vielzahl dieser Bausteine ergibt dann uns als Individuum.

Definieren wir also mal unsere drei Kernbegriffe und schauen uns anschließend noch Begabung und Vielbegabung an.

Um zu verstehen, was einen Vielbegabten ausmacht und wo er sich zu anderen unterscheidet, müssten wir im Einzelnen verstehen, was uns persönlich und als Mensch bewegt. Doch dies wäre ein weiteres Thema, das den Rahmen dieses Blogs sprengen würde, daher beschäftigen wir uns in diesem Blog nur mit unseren drei Kernbausteinen, Begabung und Vielbegabung. Schauen wir uns unsere 5 Begriffe mal im Schnelldurchgang an.


Sucher (Searcher)

Der Sucher ist eine Persönlichkeit die zwei Seiten einer Medaille besitzt. Die eine ist die Suche nach der eigenen Existenz. Sein Platz in der Gesellschaft. Dies kann sich unter anderem als schwer herausstellen, wenn man über Fähigkeiten verfügt, die die große Gesellschaft gerade nicht benötigt oder man andere gewollte Fähigkeiten nicht mitbringt. Auf der anderen Seite ist der Sucher akribisch auf der Suche nach der Antwort einer Frage. Dabei wühlt er sich wie ein Bibliothekar und Archäologe von einem Thema zum nächsten um die Frage der Fragen beantwortet zu bekommen; die Antwort so genau wie möglich zu definieren, weil er sie aus unterschiedlichen Aspekten betrachtet hat. Frustrierend aber zugleich euphorisch kann es für den Sucher sein, wenn er mehr Fragen als Antwort findet. Dabei interessieren den Sucher nicht alle, sondern immer nur spezifische Fragen.



Späher (Scout)

Viele Informationen, wobei Informationen breit gefächert betrachtet werden muss, werden vom Späher erfasst. Die Persönlichkeit des Spähers ist ähnlich wie die einer Datenablage. Er kann zu so gut wie allem mitreden, aber oft nicht tief genug, weshalb er sich nicht lange bei einem Thema aufhält / aufhalten will. Die oberflächlich gefunden Informationen reichen wie beim Durchblättern einer Zeitung aber oft aus, um ein allumfassendes Bild einer Situation/eines Themas zu erhalten/haben.


Gräber (Miner)

Der Gräber ist das genaue Gegenteil des von uns bereits beschriebenen Spähers. Ob er dazu nicht in der Lage ist oder schlichtweg nicht an allem Interessiert, gräbt sich unser Gräber immer tiefer in die Materie und legt so nach und nach Informationen frei. Dabei vergräbt er sich so tief, dass er oft nicht mal mehr die Oberfläche sieht und es dazu führen kann, dass er sich eine lange Zeit nicht blicken lässt. Wenn er dann doch mal auftauchen muss, um seine Sauerstoffvorräte aufzufüllen, scheint er sich nicht wirklich verändert zu haben, während die Welt, aus der er kam, ganz anders aussehen kann. Eine Situation, die für den Gräber schwierig sein könnte, da er sich in Ermangelung sozialer Kommunikation oder eingeschränkter Kommunikation gerne mit anderen austauschen möchte, diese aber schnell von seinem tiefgreifenden Wissen überrollt werden könnten. Das richtige Fingerspitzengefühl aller beteiligten und eine gute Transparenz sind dann gefragt. Das Verhalten unseres Gräbers wird natürlich auch durch sein soziales und Arbeitsumfeld geprägt. Oft muss sich der Gräber dann wie ein Sucher verhalten, ohne dass er zu lange in einem Thema bleiben darf. Eventuell fügen sich in einer Arbeitswelt auch die Aspekte Gräber und Sucher zusammen und zeigen sich nach Außen als Mischung. Im Allgemeinen will der Gräber sich aber mit jeder Nuance seines Themas beschäftigen und sich dafür tief in ein Thema vergraben.



Begabt

Von Begabung sprechen wir, wenn jemand etwas besonders gut kann bzw. schnell in einem Thema vorankommt. Meine Beobachtungen und Erfahrungen haben gezeigt, dass man sagen könnte, dass die “ Neigung höher, wie der Widerstand ist". Geht der Widerstand fast gegen Null im Verhältnis zur Neigung, so könnte man sogar von Hochbegabung (Inselbegabung) in diesem Thema sprechen. Ein sehr gutes wahrnehmbares Beispiel ist hier eine Fußballmannschaft. Jeder von uns kann sich auf den Platz stellen und einen Ball treten und im Training Spielzüge sowie die wichtigen Mechanismen lernen. Je schneller ich aber verstehe, dass ich den Ball an verschiedenen Stellen mit einer bestimmten Kraft treten muss, damit dieser das macht was ich will, desto besser geht mir das Spiel vom Fuß. Und dabei sprechen wir nicht von der Theorie, sondern dem Zusammenspiel von Theorie und Praxis. Auch der Begabte muss lernen und trainieren, aber mit einem niedrigen Widerstand und hoher Neigung für ein Thema, erhöht sich der Ansporn mehr zu wollen. Mehr zu wollen in einem Thema, für das er sich nicht nur interessiert, sondern gar lieben gelernt hat. Dieses Zusammenspiel von Neigung und Widerstand zeigt uns unsere Grenzen und sortiert uns in unsere Begabungen, den je einfacher mir etwas fällt, desto mehr Spaß habe ich daran. Wir lassen jetzt mal außer Acht, dass auch manchmal äußere Faktoren unseren Widerstand nach oben ziehen können. So könnte z.B. die falsche Erklärung oder Lernmethode uns hemmen, obwohl hier noch Potenzial vorhanden ist.

Vielbegabt