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Hochbegabte und die Erwartung


Das Leben besteht aus einer Aneinanderreihung von Erwartungen. Erwartungen, die an uns gerichtet werden, Erwartungen, die wir an andere stellen und Erwartungen, die wir an uns selbst richten. In der Regel sind wir uns dessen nicht bewusst, weil unsere Handlungen zu den Erwartungen passen. Doch bei vielen hochbegabten Menschen ist das nicht unbedingt der Fall.

Erwartungserfüllung: Die Erfüllung von Erwartungen ist ein elementarer Baustein in der Entwicklung unseres Selbstbildes und Selbstbewusstseins. Erwartungshaltung + passende Erwartungserfüllung = positives Rückmeldung => gutes Gefühl => Selbstvertrauen => positives Selbstbild

Während sich bei den meisten Menschen aus passenden Erwartungserfüllungen ein positives Selbstbild und starkes Selbstbewusstsein entwickelt, erfahren viele Hochbegabte schon früh eine negative Rückkopplung. Diese Nichtpassung von Erwartungshaltung und Erwartungserfüllung wirkt sich negativ auf ihre Persönlichkeitsentwicklung aus denn Selbstbild und Selbstbewusst sein können sich nicht entspannt entfalten.

Erwartungshaltung + nicht passende Erwartungserfüllung = negative Rückmeldung => ungutes Gefühl => Verlust des Selbstvertrauens => negatives Selbstbild Auf der Suche nach der "richtigen" Antwort

Oftmals beginnt diese negative Entwicklung schon in der Schulzeit, wenn hochbegabte Kinder auf "einfache" Fragen komplexeste Antworten geben, diese aber nicht von ihnen erwartet und entsprechend wertgeschätzt werden. Um die "richtigen" Antworten zu finden, denn natürlicherweise möchten auch sie Bestätigung erfahren, fangen hochbegabte Kinder schon früh an sich indirekt zu fragen, was möchte mein Gegenüber, in der Regel die Lehrkraft, von mir hören. Diese Suche gestaltet sich oft schwierig, denn die Fähigkeit des vernetzten Denkens lässt "einfache" Antworten nicht zu. An Stelle von "downzusizen" und die erwartete, folgerichtig entwickelte Antworten in einer linear gestellten Aufgabenstellung zu finden, "graden sie up". Sie verheddern sich in Antwortmöglichkeiten, versuchen den Sinn der Fragen zu ergreifen und die passenden Antworten zu finden. Es beginnt eine verzweifelte Suche nach der richtigen Antwort. Schwierigkeiten treten auch dann auf, wenn Ergebnisse ohne Herleitung gefunden werden. Auch hier passen Erwartungshaltung und Antwort nicht zusammen, denn die Lehrkraft erwartet eine lineare Schritt-für-Schritt-Herleitung, die sie als Teilantwort wertet. Das Problem: Aufgabenstellung und erwartete Antwortfindung passen nicht zusammen.


In vielen Fällen kann es noch problematischer werden, wenn Lehrkräfte um die Fähigkeit der Kinder wissen und von ihnen herausragende, perfekt passende Arbeitsergebnisse erwarten. Die sichtbare exzellente Leistung als Bestätigung der Hochbegabung liegt dann als Erwartungsdruck auf diesen Schülerinnen und Schülern. Erwartungshaltungen des Gegenübers und die eigene Erwartung gehen eine Wechselwirkung ein. Aus der angetragenen Erwartung folgt die eigene Erwartung auf passende Erfüllung. Spätestens dann, wenn die vermeintlich passende Erfüllung ausbleibt und hochbegabte Kinder einen "Fehler" nach dem anderen begehen, fangen sie an sich zu zweifeln. "Warum kann ich das jetzt nicht?", "habe ich nicht genug gelernt?", "was muss ich tun, damit ich gut bin?". Aus kleinen Wechselwirkungen entwickeln sich Glaubenssätze, innere Beurteilungsmuster der eigenen Fähigkeiten und während die einen sich immer mehr und verzweifelter in die Suche nach der "richtigen" Antwort geradezu stürzen, steigen die anderen innerlich aus. Sie hören auf mitzudenken, hören auf dem Unterricht zu folgen, sie hören auf sich zu beteiligen. Sie setzen ihren Geist auf Eis. Aus der entstehenden Resignation können sich z.B. Aggressionen entwickeln oder, im schleichenden Prozess, depressive Apathie. Aus hochbegabten Kindern werden hochbegabte Erwachsene und aus der fachlichen Unterforderung wird eine intrapersonale Überforderung. Auch auf Beziehungsebene erfahren hochbegabte Kinder früh Nichtpassung. Spielkameradinnen und -kameraden haben Erwartungshaltungen, die unartikuliert den Spielverlauf bestimmen. Ein gemeinsames Spiel kann sich nur dann entspannt entwickeln und einen positiven Verlauf nehmen, wenn im Spiel die Kinder einen gemeinsamen Nenner in ihren Erwartungen finden. Laufen die Erwartungshaltungen auseinander, kommt es zu Missverständnissen und Unverständnis. Bei einem eins-zu-eins Spiel ist eine Irritation nicht weiter problematisch, finden sich aber mehrere Spielpartnerinnen und -partner zusammen und einer der Spielerinnen oder Spieler hat eine andere Erwartungshaltung als die anderen, wird er / sie zum Außenseiter / Außenseiterin. Viele hochbegabte Kinder haben andere Erwartungen an den Spielverlauf als ihre Mitspielerinnen oder Mitspieler. Sie müssen erfahren, dass ihre Erwartungen sich in der Gruppe nicht erfüllen sowie sie die Erwartungen ihrer Mitspielerinnen oder Mitspieler nicht erfüllen können. Das, was sich selbstverständlich zwischen anderen Kindern entwickelt, müssen sie sich woanders suchen. Die innere Einsamkeit entstanden aus der Aneinanderreihung aus nicht passenden Erwartungserfahrungen.


Erwartungen im Alltag von Hochbegabten - die enttäuschte Vorfreude Wer kennt es nicht? Man liest eine Programmvorschau zu einem Film, die sich äußerst vielversprechend anhört und dann sitzt man im Kino und gähnt, denn Film ist einfach nur langweilig. Was für viele Menschen nur äußerst selten vorkommt, ist bei Hochbegabten die Regel. Sie lesen eine Ankündigung zu einem Seminar, Vortrag oder im Studium zu einer Vorlesung und melden sich an. Sie freuen sich sehr auf die Veranstaltung doch schon nach wenigen Minuten beginnt die Desillusionierung. Sie sitzen da und beginnen sich zu langweilen. Während alle in ihrem Umfeld sehr interessiert und zufrieden scheinen, beginnt für Hochbegabte die Tortour der Enttäuschung. Die Erwartung, die sie an die Veranstaltung stellten, ging nicht in Erfüllung. Zurück bleibt eine Lehre, die nicht kommuniziert werden kann, denn der Austausch über das Erlebte bleibt aus, weil keine entsprechenden Gesprächspartner zu finden sind, mit denen sie ihre Erfahrungen teilen können.


Erwartungen im Alltag von Hochbegabten - "Ich muss perfekt sein!" Viele hochbegabte Menschen, haben den inneren Anspruch, perfekt zu sein. Sie erwarten von sich die perfekte Antwort zu geben oder das perfekte Ergebnis zu liefern. Sie schrauben die Anforderung an sich selbst in schwindelerregende Höhen. Und je höher der Anspruch, desto größer ist die Gefahr, ihm nicht gerecht zu werden. Gerade hochbegabte Frauen haben die Tendenz zur Perfektion. Sie erwarten von sich selbst das Allerbeste, das Allerhöchste, das perfekte Ergebnis. Und wenn die Bewertung dessen, was sie abgeliefert haben, nicht entsprechend ausfallen, dann stürzt sie das in große Selbstzweifel, denn bei vielen Hochbegabten ist der Hang zum Perfektionismus kein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, sondern die Summe der erwartungsenttäuschten Erlebnisse, abgespeichert im Unterbewusstsein.


Erwartungen von spätentdeckten Hochbegabten - Jetzt erwarte ich .... Endlich! Wenn Hochbegabte ihre Begabung entdecken, finden sie die Antworten auf ihre vielen "Warums". Sie verstehen ihr eigenes Unverständnis, bekommen den Schlüssel zu ihrer Persönlichkeit. Die Erkenntnis kann jedoch auch mit großen Erwartungen einhergehen, Erwartungen die Hochbegabte in der Regel unbewusst an sich selbst richten, denn die hohen Erwartungen, die sie gelernt haben an sich selbst zu stellen, stellen sie jetzt auch in diesem Moment.


Fazit

Erwartungen von Eltern, Lehrern, Partnern, Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, der Gesellschaft werden zu unseren Erwartungen an uns selbst und bestimmen wie wir uns entwickeln. Erwartungen rufen Erwartungen hervor! Aus äußeren Erwartungen entstehen innere Erwartungen und aus inneren Erwartungen entwickeln sich Verhaltensmuster, die Menschen prägen. Alle Menschen sind davon betoffen, hochbegabte Menschen jedoch ganz besonders!


Für Myndun e.V.i.G. Dr. Birgit Wegerich-Bauer



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