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Hochbegabte Systemsprenger - wenn die Begabung zum Problem wird


Aktuell läuft der Film „Systemsprenger“ in den Kinos an. In diesem Film wird ein 9-jähriges Kind beschrieben, welches sämtliche Systeme aufgrund seiner traumatisierenden und vielfältigen Lebensbrüche wechselt und für andere unerreichbar erscheint. Der Bezug zu hochbegabten Kindern und Jugendlichen ist naheliegend, da auch hier bei einer Nichterkennung Traumatisierungen und wechselnde Systeme mit Abbrüchen die Folge sein können.


Systemsprenger ist ein Symptom, das anzeigt, dass unsere Sprache nicht mehr ausreicht. Mit dem Wort Systemsprenger verbindet sich in unterschiedlichen Kontexten der Pädagogik und Psychiatrie das Phänomen, dass es immer wieder Betroffene gibt, die sich nicht in das entsprechende System und Hilfesystem zu integrieren scheinen: Systemsprenger ist nur dann ein schwieriger Begriff, wenn das vorhandene System für gutgeheißen wird. Es ist ein Symptom dafür, dass die Passung zwischen einem System und einem Menschen nicht vorhanden ist. Es handelt sich um ein Hoch- Risiko- Klientel, welches sich in einer durch Brüche geprägten negativen Interaktionsspirale mit dem Hilfesystem, den Bildungsinstitutionen und der Gesellschaft befindet und diese, durch als schwierig wahrgenommene Verhaltensweisen, aktiv mitgestaltet.

Schüler, die das System sprengen, gehen sehr häufig auf sehr persönlich-emotionaler Ebene in Interaktionen. Gleichzeitig stellen sie das Rollenbild der Pädagogen infrage und verhindern dabei Kommunikationsstrukturen.


Was hat das mit hochbegabten, hochsensiblen und hochkreativen Kindern und Jugendlichen zu tun? 


Einiges, denn nach wie vor durchlaufen viele hochbegabte Schülerinnen und Schüler unsere Schulsystem und werden als solche nicht erkannt. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und oft sehr individuell. Eine unflexible Umgebung geht auf unerwartete Signale nicht ein, so dass es für hochbegabte Kinder zu einem irritierenden Mangel an Antworten kommen kann, die zu einer “Teilung mentaler Zustände” führen und lange dauernde, nachhaltige Beeinträchtigungen hervorrufen kann. Eine solche Verweigerung und Teilung mentaler Zustände bedeutet eine Verweigerung der Zugehörigkeit, eine Ausgrenzung, und spielt für das Entstehen von Entwicklungsschwierigkeiten hochbegabter Kinder eine wesentliche Rolle.


Was kann mit diesen Schülerinnen und Schülern passieren, außer dass sie sich langweilen, desinteressiert werden und sich versuchen mit anderen Beschäftigungen durch den Unterricht zu hangeln? Die Frustrationsschleife wird stetig größer, die Kinder und Jugendlichen fallen entweder durch massiv störendes Verhalten auf und Lern- und Leistungsverweigerung sind die Folge - oder sie ziehen sich schweigend in sich zurück. Eine nicht erkannte Hochbegabung kann z. B. mit Bauch- und Magenkrämpfen, Migräne, psychomotorischen Störungen, Depressionen oder Suizidgedanken einhergehen. Medikamentös werden Kinder und Jugendliche behandelt bei einhergehender ADHS, motorischen Einschränkungen oder Autismus. Parallel finden oftmals soziale Brüche im Umfeld und/oder Mobbing statt. All dies kann sich in eine Abwärtsspirale bewegen.




Die Energie, mit der diese Kinder und Jugendlichen der Gesellschaft den Spiegel vorhalten, wird dabei als wichtiger erachtet als das dahinterliegende, individuelle Problem des vermeintlichen Störers. Im kontextuellen Ansatz bleibt also die Definitionsmacht der Hilfesysteme gegenüber den Kindern und Jugendlichen ein wesentlich zu reflektierender Teil des Phänomen Bereiches „Systemsprenger“.

So wie ich bin, bin ich nicht gewollt! Hinter der Forderung nach Förderung von Kindern und Jugendlichen mit massiv störenden Verhaltensweisen versteckt sich oftmals der unausgesprochene Auftrag: „Mach ihn mal passend…!" Ist dies ein Widerspruch? Sicherlich nicht, denn Zugehörigkeit ist eines der großen Grundbedürfnisse eines jeden Menschen und die Sorge von Eltern ist nachvollziehbar, wenn Kinder aus dem System fallen und aktives Lernen und Mitarbeiten im Unterricht und soziale Einbindung nicht mehr möglich scheint.  Wenn Eltern angeraten wird ihre vermeintlich „lernschwachen und störenden“ Kinder in eine andere Schule zu geben, kann das für alle Betroffenen eine traumarisierende Erfahrungen sein.

Warum ist die Umsetzung Systeme den Kindern anzupassen/ zu öffnen so schwierig? Vielleicht weil sich die Lehrerinnen und Lehrer sich ebenfalls im Schulsystem befinden, das auch ihnen keinen verstehbaren, tragfähigen Rahmen bietet und sie in der Arbeit mit hochbegabten Kindern nachhaltig stützt.


Hochbegabte Kinder müssen früh erkannt, unterstützt und gefördert werden, damit ihre Lernbiografie und ihre Beziehung zur Institution Schule nicht durch Misserfolge, Ablehnungen, Langeweile oder Unterforderung dauerhaft geschädigt wird. Das Potenzial eines jeden Schülers muss erkannt werden, um mit passenden Angeboten die Entwicklung des Potenzials zu ermöglichen und entsprechend zu fördern, zumal alle Schulgesetze die individuelle Förderung vorsehen und somit auch evt. ungewöhnliche Methoden oder Wege gegangen werden können.


Entscheidend ist auch die Haltung der Lehrkräfte gegenüber hochbegabten Kindern und Jugendlichen. Hochbegabte Kinder sind meist äußerst sensibel und spüren, wenn sie nicht wahrhaftig wertgeschätzt werden. Für den Umgang mit den hochbegabten Kindern und Jugendlichen spielt das Erfassen und Akzeptieren ihrer außergewöhnlichen geistigen Gaben eine zentrale Rolle. 


Welche Maßnahmen auch immer ergriffen werden, um hochbegabte Kinder und Jugendliche ihrem kognitiven Potenzial gemäß zu fördern, wichtig ist immer, dass auch ihre emotionale und soziale Entwicklung in den Blick genommen wird und sie müssen erfahren dürfen, dass sie richtig sind, so wie sie sind. Für Myndun e.V.i.G. Kirsten Heberer Fachreferatsleitern Inklusion und Organisationsentwicklern mit Schwerpunkt Diversion www.diversity-organisationsentwicklung.de

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